Was passiert, wenn Elefanten dringend Wasser brauchen – dabei aber genau die Infrastruktur beschädigen, die ihnen dieses Wasser zur Verfügung stellt? In NG3 in Botswana zeigt ein aktuelles Projekt, wie eine vergleichsweise einfache bauliche Veränderung einen großen Unterschied machen kann.
Während der Trockenzeit wird Wasser im Norden Botswanas zu einer entscheidenden Ressource für Menschen, Nutztiere und Wildtiere. Besonders Elefanten sind auf verlässliche Wasserquellen angewiesen. An den von uns unterstützten Wasserstellen im Gebiet NG3 wurde deshalb bereits in den vergangenen Jahren immer wieder in die Wasserversorgung investiert.
Das Problem: Elefanten suchen nach dem frischen Wasser
Am westlichen Bohrbrunnen bei G/hui!ahn wurde in diesem Jahr früher als erwartet ein hoher Zustrom von Elefanten beobachtet. Dabei entstand ein besonderes Problem: Das geförderte Frischwasser gelangte über einen Auslass direkt in die Wasserstelle und vermischte sich dort unmittelbar mit dem schlammigen Wasser.
Die Elefanten versuchten daraufhin, an die Quelle des frischen Wassers zu gelangen. Dabei wurden Rohre und Auslässe beschädigt. Aus menschlicher Perspektive entsteht dadurch ein Schaden an wichtiger Infrastruktur. Aus Sicht der Tiere ist das Verhalten jedoch nachvollziehbar: Sie suchen Wasser und versuchen, dessen Quelle zu erreichen.
Die Frage war deshalb nicht, wie wir dieses Verhalten verhindern können, sondern: Wie muss eine Wasserstelle gebaut sein, damit sie auch für Elefanten funktioniert?
Eine Lösung, die sich bereits bewährt hat
Die Antwort gab es wenige Kilometer entfernt bereits. Am östlichen Bohrbrunnen bei Morama wurde ein zweiter Wasserauslass mit bodennahen, stahlverstärkten Betontränken eingerichtet.
Das Frischwasser fließt zunächst in die Betontränke. Dort können die Elefanten direkt trinken. Erst der Überschuss fließt anschließend weiter in die eigentliche Wasserstelle. Damit bleibt frisches Wasser unmittelbar zugänglich und gleichzeitig sinkt der Anreiz für die Tiere, nach Rohren und anderen Teilen der Wasserversorgung zu suchen. Dieses Prinzip hat sich in Morama bewährt. Deshalb wurde entschieden, die gleiche Konstruktion auch an den beiden Auslässen des westlichen Bohrbrunnens umzusetzen.
Die Arbeiten beginnen
Die Umsetzung erfolgte schrittweise, damit den Elefanten während der Arbeiten weiterhin Wasser zur Verfügung stand. Zunächst wurde am östlichen Auslass eine neue Betontränke errichtet, während über den westlichen Auslass weiter Wasser gepumpt wurde. Anschließend konnte der Wasserfluss wieder auf die östliche Seite geleitet werden, sodass der beschädigte westliche Auslass repariert werden konnte. Dabei wurde mit lokalen Arbeitskräften und einem Team vor Ort gearbeitet.
Rund 2.450 Euro für eine konkrete Lösung
Die für die aktuellen Maßnahmen kalkulierten Gesamtkosten betragen 38.466 Botswana-Pula – rund 2.450 Euro.
Darin enthalten sind:
- Baumaterialien und Steine für den Beton
- Transport zum Projektstandort
- Verpflegung des Teams
- technische Leitung und lokale Arbeitskräfte
- Wartung des Generators
- Treibstoff für zwei Monate nächtlichen Pumpbetrieb
Ein Teil der Materialien wurde bereits vor Beginn der Arbeiten beschafft. Eine entsprechende Materialrechnung dokumentiert beispielsweise Ausgaben von 6.381,60 Pula.
Und dann kamen die Elefanten
Nur kurze Zeit später war die neue Betontränke fertig. Und die ersten Besucher ließen nicht lange auf sich warten. Aktuelle Aufnahmen vom Standort zeigen zunächst einen einzelnen Elefanten unmittelbar an der neuen Konstruktion. Wenig später versammelte sich bereits eine ganze Elefantenherde an der Wasserstelle. Damit zeigt sich unmittelbar, welchen Unterschied eine vergleichsweise einfache Anpassung der Infrastruktur machen kann. Frisches Wasser bleibt für die Tiere erreichbar. Gleichzeitig werden Rohre, Pumpen und andere technische Komponenten besser geschützt.
Wasserversorgung als Teil des Elefantenschutzes
Bereits Ende 2024 unterstützte SAVE Wildlife Conservation Fund gemeinsam mit ECF und Future for Elephants verschiedene Maßnahmen an den Wasserstellen in NG3. Am westlichen Bohrbrunnen wurden unter anderem eine durch Elefanten beschädigte Pumpe und Solarpaneele ersetzt, die östliche Pipeline wiederhergestellt, nächtliches Pumpen mithilfe eines Generators ermöglicht und die Solartechnik mit einem Elektrozaun geschützt.
Am östlichen Standort Morama wurde ein zweiter Auslass eingerichtet – einschließlich jener bodennahen Betontränken, deren Prinzip nun auch am westlichen Standort eingesetzt wird. Das aktuelle Projekt zeigt damit auch, dass Artenschutz nicht immer eine große oder technisch komplizierte Intervention benötigt. Manchmal geht es darum, genau zu beobachten, wie Tiere vorhandene Infrastruktur tatsächlich nutzen – und diese Infrastruktur entsprechend anzupassen. So können Konflikte reduziert, bestehende Investitionen geschützt und Wildtiere zuverlässig mit Wasser versorgt werden. Koexistenz bedeutet nicht, dass Wildtiere lernen müssen, mit unserer Infrastruktur umzugehen. Wir müssen Lösungen entwickeln, die mit ihrem natürlichen Verhalten funktionieren.
Gemeinsam Artenschutz leben
Mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln können Maßnahmen wie diese unmittelbar vor Ort wirken. Wer SAVE Wildlife Conservation Fund dabei unterstützen möchte, Wasserstellen zu sichern und weitere Projekte für den Schutz von Elefanten und anderen Wildtieren umzusetzen, kann unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen.