Farmer-Workshop in Quqao, Botswana
Wenn wir an Botswana denken, entstehen oft Bilder von Elefanten, Löwen und unberührter Wildnis. Was dabei leicht in Vergessenheit gerät: Tausende Menschen leben mitten in diesen Landschaften und teilen sich ihren Lebensraum jeden Tag mit Wildtieren.
Eines der Gebiete, in denen SAVE Wildlife Conservation Fund seit vielen Jahren arbeitet, liegt rund um Quqao in den Konzessionen NG32 und NG35 westlich des Okavango-Deltas. Die abgelegenen Gemeinden sind mehrere Autostunden von der nächstgrößeren Versorgungsstadt Maun entfernt. Landwirtschaft und Viehhaltung bilden hier die wichtigste Lebensgrundlage vieler Familien – und genau hier entstehen täglich Herausforderungen für die Koexistenz zwischen Mensch und Wildtier.
Elefanten durchqueren regelmäßig Felder auf der Suche nach Nahrung und können innerhalb kurzer Zeit große Teile einer Ernte zerstören. Gleichzeitig stellen Löwen, Hyänen und andere Raubtiere eine Gefahr für Nutztiere dar. Für die betroffenen Familien bedeutet das weit mehr als den Verlust einzelner Pflanzen oder Tiere. Ernten sichern häufig die Versorgung einer Familie über mehrere Monate, während Rinder in Botswana nicht nur eine Einkommensquelle, sondern auch Vermögen, Altersvorsorge und ein wichtiger Bestandteil des sozialen Ansehens sind.
Um diese Herausforderungen langfristig zu bewältigen, setzt SAVE auf einen ganzheitlichen Ansatz. Neben der Verstärkung raubtiersicherer Kraals, der Förderung klimaangepasster Landwirtschaft (Climate-Smart Agriculture) und der Entwicklung nachhaltiger Einkommensmöglichkeiten spielt die kontinuierliche Weiterbildung der Gemeinden eine zentrale Rolle.
Aus diesem Grund organisierte SAVE Wildlife Conservation Fund gemeinsam mit dem Ministry of Lands and Agriculture vom 9. bis 11. Juni 2026 einen dreitägigen Farmer-Workshop in Quqao. Insgesamt wurden 148 Teilnahmen über die drei Veranstaltungstage hinweg verzeichnet. Ziel des Workshops war es, Landwirtinnen und Landwirte dabei zu unterstützen, ihre Erträge zu verbessern, Tiergesundheit und Krankheitsprävention zu stärken sowie nachhaltige landwirtschaftliche Methoden in der Praxis anzuwenden.
Während des Workshops wurden Themen wie Saatgutauswahl, Pflanzenschutz, Nachernte-Management, Tiergesundheit, Tierkennzeichnung sowie staatliche Unterstützungsprogramme behandelt. Ergänzend fand eine Tollwut-Impfkampagne statt, bei der 36 Hunde und 7 Katzen geimpft wurden und so gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zum Gesundheits- und Artenschutz geleistet werden konnte.
Der Workshop ist Teil eines langfristigen Programms, mit dem SAVE Gemeinden in den Wildtier-Kontaktgebieten Botswanas dabei unterstützt, Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren nachhaltig zu reduzieren. Denn Koexistenz entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Ansätze: besser geschützte Viehkraals, widerstandsfähigere Landwirtschaft, fachliche Beratung und eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden und staatlichen Partnern.
Wir bei SAVE sind überzeugt, dass erfolgreicher Artenschutz dort beginnt, wo Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre eigene Lebensgrundlage zu sichern. Nur wenn Gemeinden von den natürlichen Ressourcen ihrer Umgebung profitieren und Konflikte mit Wildtieren reduziert werden, kann ein langfristiges und friedliches Zusammenleben zwischen Mensch und Tier gelingen.
Artenschutz bedeutet für uns nicht nur, Wildtiere zu schützen. Artenschutz bedeutet ebenso, die Menschen zu stärken, die ihren Lebensraum täglich mit diesen Wildtieren teilen.